Warum ich an Bier-Spaziergängen teilnehme

Heute gibt es kein Rezept, sondern ein paar Gedanken zu meinem sozialen Leben. Ich habe lange überlegt, ob ich über dieses Thema schreiben soll, denn ich bin seit meiner Erkrankung strikte Antialkoholikerin, und zwar aus tiefster Überzeugung. Meine Mundhöhle wurde, so wie bei vielen Zungenkrebspatienten mit einer hohen Dosis bestrahlt. Lange war die Schleimhaut entzündet. Ich konnte ja über Monate überhaupt nicht essen und wurde über eine PEG-Sonde ernährt. Der Geschmack war lange nicht vorhanden. Dass ich nicht mehr richtig kauen und schlucken kann ist hinlänglich bekannt, aber ich kann wunderbar schmecken. Vermutlich besser, als vor der Erkrankung, denn ich habe geraucht. Natürlich habe ich in meinem früheren Leben auch Alkohol getrunken. An manchen Abend auch zu viel, was sich dann am darauffolgenden Morgen bemerkbar machte. Ich trinke vor allem wegen der verletzten Schleimhaut nichts Alkoholisches mehr, weil ich der Meinung bin, dass ich mich nicht wissentlich Gefahren aussetzen muss.

MUNDHÖHLENKREBS UND ALKOHOL

Mundhöhlenkarzinompatienten haben leider nur allzu oft ein Suchtproblem. Die Kombination Rauchen und hochprozentiger Alkohol ist ein großer Risikofaktor. Wer sich als Patient dann weiterhin diesen Giften aussetzt, läuft Gefahr wieder zu erkranken. Ich habe leider durch meine ehrenamtliche Tätigkeit als Betroffenenbegleiterin mehrere Menschen getroffen, die ihre Sucht nicht los wurden und wieder erkrankten. So mancher hat die Erkrankung auch nicht überlebt. Ja, ich predige tatsächlich vollkommenen Alkoholverzicht bei Mundkrebs und bin der Meinung auch ein Gläschen ist schon zuviel.

SOZIALES LEBEN OHNE ALKOHOL

Ein soziales Leben als Antialkoholikerin ist oft gar nicht so einfach. In Gesellschaft muss ich mich tatsächlich sehr oft erklären. Viele verstehen, dass ich auf Grund meiner Krankengeschichte keinen Alkohol trinke und fragen trotzdem ob ich nicht wenigstens ein Glaserl zum Anstoßen möchte. Das ist wirklich befremdlich. Ich trinke aus Überzeugung nicht mehr und auch aus Vorbildwirkung.

BLOGGEREINLADUNGEN

Aber ich bewege mich natürlich in Gesellschaften, in denen getrunken wird. Und ich werde oft genug auf Veranstaltungen eingeladen, bei denen es um Alkohol geht. Von Bloggern wird dann natürlich irgendwie erwartet, dass man darüber berichtet. Das ist in meinem Fall ganz schwierig, denn wie passt eine Veranstaltung rund um alkoholische Getränke zu den Geschmeidigen Köstlichkeiten und vor allem zur antialkoholischen Autorin?
Wieder einmal hat mich eine Salzburger Agentur, der ich sehr verbunden bin, zu einem derartigen Event geladen. Mit den einleitenden Worten, wir wissen, dass du nichts trinkst, aber wir freuen uns immer sehr, wenn du trotzdem dabei bist. Das besagt für mich ganz einfach, man wird nicht immer wegen der Werbewirksamkeit eingeladen, sondern weil man als Person geschätzt wird.

PARTYGÄNGERIN

Ja und ich gehe leidenschaftlich gerne auf derartige Einladungen. Aus einem ganz simplen Grund. Es geht um mein soziales Leben, dass mit meinen Behinderungen nicht immer ganz einfach ist. Oft genug treffe ich auf Menschen, die mit meiner Spracheinschränkung im Gegensatz zu mir, nicht wirklich gut umgehen können. Ich liebe solche Herausforderungen und oft genug kommt es dann zu tollen und interessanten Gesprächen. Und witziger Weise treffe ich ständig auf Menschen aus meinem früheren Leben, die ich oft Jahre nicht gesehen habe. So manch alter Kontakt lebt wieder auf. Alleine diese Umstände rechtfertigen für mich solche Events.

Was will ich damit sagen? Leute geht hinaus und lasst das Leben nicht an euch vorbei laufen, auch wenn ihr keinen Alkohol trinkt.

CRAFT IN THE CITY

Übrigens fand diese Craft Beer Wanderung im Rahmen von eat&meet in Salzburg statt. Das ist eine kulinarische Veranstalungsreihe die stets im März statt findet. Ich habe mich heuer für einige Spaziergänge entschieden, bei denen es um Essen und Trinken geht. Und ums Leut treffen, also meet sozusagen
Bei Craft in the City führte uns Seppi Sigl, seines Zeichens Chef der alteingesessenen Salzburger Trumer Brauerei. Hut ab sage ich da nur, der gute Mann wanderte mit uns einige Kilometer quer durch die Stadt trotz einer Beinschiene nach einem Unfall. Wir haben übrigens einige Lokale besucht, die ohnedies zu meinen Favoriten gehören. So etwa die Trumerei, dort finden viele unserer Bloggerstammtische statt, oder das Glüxfall, da gehe ich gerne zum Frühstück hin oder die Hagenauer Stube, die wurde jetzt neu übernommen und da werde ich bald einen Besuch abstatten. Im Fidelen Affen war ich seit meiner Studienzeit nicht mehr, ein schönes Wirtshaus. Im Wein und Co. kaufe ich manchmal Delikatessen ein.

Achja, falls es interessiert, was ich bei solchen Veranstaltungen esse und trinke? Ich liebe Tonic, und da gibt es inzwischen viele verschiedene Anbieter. Beim Essen muss ich meist jonglieren. Da löffele ich Tartar oder Aufstrich vom Brötchen herunter. Oft gibt es Suppen in der Tasse. Nein verhungert bin ich noch nie, nur manchmal schaue ich neidisch auf Gerichte, die für mich gar nicht in Frage kommen. Man gewöhnt sich daran und schätzt einfach die Gesellschaft.

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