Die Sache mit dem Ei im Glas

Ei im Glas

Heute möchte ich wieder einmal ein paar ganz persönliche Worte zu meiner Esseinschränkung kundtun. Ich gehe gerne auswärts frühstücken. Das ist für mich oft kein leichtes Unterfangen, weil klassische Frühstücksangebote nicht mehr am Plan stehen. Brot, Salzstangerl, Kipferl und andere Backwaren kommen nicht in Frage. Ja, sicher könnte ich ein Butterkipferl in einen Kaffee eintauchen, das mache ich aber nicht, weil das zergatschte Kipferl nichts mehr mit einem Kipferl zu tun hat. Frisches Schwarzbrot mit einer reschen Kruste ist etwas, das mir wirklich sehr fehlt. Und nein, nur der Teig in kleinen Würfeln ist nicht mein Geschmack, da verzichte ich lieber. Müsli und sonstige Cerealien stehen auch nicht auf meinem Menüplan. Eventuell alle heiligen Zeiten Zuhause, dass ich ein Müsli über Nacht stehen lasse und morgens püriere. Auch hier kann man über den Geschmack diskutieren. Wirklich delikat ist so ein Müslibrei nicht.
Avocadocreme oder gute Aufstriche findet man tatsächlich sehr selten auf Frühstückskarten. Manchmal gibt es Streichwurst, die geht ganz gut zu löffeln, ohne Brot. Marmelade beinhaltet oft kleine Kerne, Achtung, Verschluckungsgefahr. Und so könnte ich unzählige Speisen und Lebensmittel aufzählen, die ich leider nicht mehr oder unter sehr schwierigen Bedingungen zum Frühstück auswärts essen kann.
Naturjoghurt ist eine Option und weiche Eier. Auch eine sehr leichte Eierspeise kommt gut an. Bei weichen Eiern bevorzuge ich EI IM GLAS, das ist typisch österreichisch, dabei wird das Ei ohne Schale in einem Glas serviert. Der große Vorteil liegt darin, dass ich das Ei im Glas gut mit dem Eierlöffel oder einer kleinen Gabel zerstechen und zerdrücken kann. So dass auch das gestockte Eiweiß gut zu schlucken ist. Das resultiert aus meinen jahrelangen Erfahrungen. In Österreich gibt es in sehr vielen Kaffeehäusern Ei im Glas auf den Speisekarten. Oftmals sind es zwei Stück, dann verhandle ich auf eines herunter, weil mir zwei zu viel sind und ich wissentlich nicht zu viel Essen bestellen möchte. Frische, weiche Eier haben nichts im Müll zu suchen, dort landen sie aber, wenn ich sie nicht essen kann. Meist kein Problem, trotzdem passiert es, dass Servierdamen oder Herren hinter meiner Bitte einen finanziellen Hintergrund vermuten, als würde ich mir nur ein Ei leisten können. Suspekt ist für so manchen auch, dass ich tatsächlich kein Brot essen möchte. Nein liebe KellnerInnen, es geht mir nicht ums Geld, es geht mir um die Menge.
Schräg wird es manchmal, wenn Ei im Glas auf einer Karte nicht vorhanden ist, weiches Ei jedoch schon. Ich bitte dann gewöhnlich darum, aus dem Ei im Becher einfach ein Ei im Glas zu machen. Manchmal kommt dann der sehr gut durchdachte Vorschlag, man würde mir das Ei im Becher zu Tisch bringen und ich möge doch das Ei selber schälen und in ein Glas transferieren. Vielleicht liegt es an meinen Nervenstörungen in den Fingern, aber das Schälen eines heißen weichen Eis ohne Zuhilfenahme eines Geschirrtuches oder Ähnlichem ist für mich unmöglich. Es ist dann beinahe jedesmal immer die gleiche Situation. Nach langen Erklärungen weshalb ich überhaupt ein Ei im Glas essen möchte und das gesamte Lokal über meine Behinderung Bescheid weiß, wird dann meinem Wunsch doch Folge geleistet. Bis auf einmal, bei dem der Wirt behauptetet, dass wäre aus hygienischen Gründen verboten, bin ich dann doch zu meinem Ei im Glas ohne Schnittlauch gekommen. Was mich wirklich immer öfter unangenehm berührt ist die Tatsache, dass ich so oft die Hintergründe erklären muss, warum und weshalb und dass eine einfache Bitte, ohne lange Erklärungen nicht erfüllt wird. Erst mit Nachdruck kommt dann das Erwünschte auf den Tisch. Das ist wirklich oft sehr mühsam, vor allem, wenn man in der Auswahl schon so eingeschränkt ist.
Auch Zuhause gibt es öfter Ei zum Frühstück, da experimentiere ich gerne herum. Unlängst habe ich meine Liebe zu Mozzarellaschaum endeckt und den kann man wunderbar mit einem weichgekochten Ei kombinieren.

Ei Mozzarellaschaum

Ei im Glas mit Mozzarellaschaum

1 Portion
1 halbe Mozzarellakugel aus Büffelmilch
100 ml Schlagobers (Schlagsahne)
einige Basilikumblätter
etwas Olivenöl
geräuchtertes Meersalz
1 großes, frisches Ei

Mozzarella in grobe Würfel schneiden. Schlagobers mit einem Pürierstab aufschlagen und Mozzarellawürfel, Basilikum und etwas Olivenöl hinzufügen. Kräftig aufschlagen. Ei ca. 3,5 bis 4 Minuten weich kochen. Vorsichtig abschälen und mit dem Mozzarellaschaum in einem Gals servieren. Mit geräuchertem Meersalz abschmecken.

Ei mit Mozarrellaschaum

12 Comments on Die Sache mit dem Ei im Glas

  1. Angela
    September 2, 2016 at 9:22 am (7 Monaten ago)

    Liebe Claudia,
    Sie müssen ja über eine engelsgleiche Geduld verfügen!
    Ich habe keinerlei Einschränkungen beim Essen, bin aber Vegetarierin. Es ist mir in speziell in Österreich schon sehr oft aufgefallen, dass kleine – immer höflich – geäußerte Wünsche oft auf großes Unverständnis oder gar Unwillen gestoßen sind. Einmal ging in einem noblen Hotel sogar die Schiebetüre zur Küche auf, und das ganze Küchenpersonal beäugte uns argwöhnisch, nur wegen des Wunsches von mir und meinem ebenfalls vegetarischen Ehemann, einige Zutaten im festgelegten Menü wegzulassen 
    In Deutschland habe ich hingegen sehr gute Erfahrungen mit geäußerten Anfragen wegen Sonderwünschen gemacht. Es würde auch in Österreich Zeit werden, dass das Mitdenken und der Kundenservice zum Allgemeinverständnis gehören.

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    • Claudia Braunstein
      September 2, 2016 at 9:39 am (7 Monaten ago)

      Liebe Angela, ich muss sagen, dass meine Erfahrungen in der Gastronomie eigentlich überall gleich positiv sind. Es sind eher die Einzelfälle, die sich interessanterweise in den letzten Tagen genau bei Bestellungen von Ei im Glas ergeben haben. Sonst hätte ich vermutlich heute nicht darüber geschrieben. Tatsächlich hatte ich im letzten Monat gleich drei solche Erfahrungen. Was mir wirklich manchmal auf die Nerven geht, ist die Tatsache, dass ich kaum ohne Voranmeldung oder großen Erklärungen auswärts essen gehen kann. In der gehobenen Gastronomie reserviert man ohnedies vorher. Und in einfachen Wirtshäusern ist es manchmal etwas durchwachsen. Aber ich bin die letzten fünf Jahe bis auf ganz wenige Ausnahmen nie hungrig aus einem Lokal gegangen. Eigentlich ist die österreichische Gastronomie für ihre besondere Freundlichkeit und Professionalität bekannt, ich würde diesen unangenehmen Vorfall eher als Einzelfall bezeichnen. Zumal man fast überall auch vegetarische Speisen auf den Menükarten findet. Ganz liebe Grüße aus Salzburg, Claudia

      Antworten
  2. Tanjas Bunte Welt
    September 2, 2016 at 9:33 am (7 Monaten ago)

    Hallo Claudia
    Ei im Glas ist mir unbekannt und bekommt man hier sicher auch nicht überall. Schade, dass man immer begründen muss warum und das auch Zeit und Nerven kostet, wenn es danach eh gemacht wird.
    Liebe Grüße

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    • Tanjas Bunte Welt
      September 2, 2016 at 10:47 am (7 Monaten ago)

      Jetzt muss ich glatt was nachtragen. Habe eben das erste Mal auf der Speisekarte von Urbann in der Plus vom Ei im Glas gelesen, die haben das auch. Gerade entdeckt

      Antworten
      • Claudia Braunstein
        September 2, 2016 at 10:55 am (7 Monaten ago)

        Dachte ich es mir doch, dass Ei im Glas auch in Linz bekannt ist. 😉

        Antworten
    • Claudia Braunstein
      September 2, 2016 at 10:49 am (7 Monaten ago)

      Liebe Tanja, das hat jetzt meine Neugierde geweckt und ich hab mir drei Frühstückskarten von Linzer Kaffeehäusern angeschaut. Auf einer fand ich tatsächlich sogar die Auswahl zwischen einem und zwei Ei im Glas. Und zwar in der Hofbäckerei. Wenn ich das nächste Mal in Linz bin gehe ich dort extra hin ;-). Ei im Glas gehört zur österreichischen Kaffeehauskultur wie Melange und Salzstangerl mit Butter. Das ist ein echter Klassiker. Mir fällt aber auf, dass gerade jüngere Menschen das tatsächlich nicht kennen. Da zählst du ganz offenbar dazu. Liebe Grüße aus Salzburg, Claudia

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  3. Sylvia Stellwag
    September 2, 2016 at 8:50 pm (7 Monaten ago)

    Liebe Claudia, schon seit einiger Zeit speichere ich Ihre Rezepte und koche sie z. T. nach. Mein Mann ist dement und kann nur noch schlecht schlucken. Dank Ihrer Hilfe kann ich ihm schmackhafte Sachen geben, die kein Einheitsbrei sind. Dieses Ei werde ich in der kommenden Woche probieren. Ich danke Ihnen von Herzen und wünsche Ihnen alles Gute.
    Liebe Grüße aus Weimar
    Sylvia

    Antworten
    • Claudia Braunstein
      September 3, 2016 at 1:29 pm (7 Monaten ago)

      Liebe Sylvia, herzlichen Dank für den netten Kommentar. Ich freue mich immer wenn sich LeserInnen melden, die aus meinen Rezepten einen persönlichen Nutzen ziehen können, denn das zeigt mir, das mein Blog Sinn macht. Herzliche Grüße nach Thüringen, dort war ich heuer im Frühjahr und war ganz begeistert. Weimar steht auf meiner Wunschliste. Claudia

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      • Sylvia Stellwag
        September 3, 2016 at 8:24 pm (7 Monaten ago)

        Liebe Claudia,
        Ei im Glas gibt es auch bei uns, im Residenz-Café. Hatte ich selbst mehrfach zum Frühstück.
        Eine gute Zeit!
        Sylvia

        Antworten
        • Claudia Braunstein
          September 5, 2016 at 4:04 pm (7 Monaten ago)

          Hallo Sylvia, ja in Deutschland bin ich auch schon öfter fündig geworden. Liebe Grüße Claudia

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  4. Monika
    September 5, 2016 at 12:14 am (7 Monaten ago)

    Deine Osterschinkenmousse passt übrigens auch ganz hervorragend zu Ei im Glas. Das gab es bis in die sechziger Jahre praktisch in jedem Cafe in Berlin. Warum es verschwunden ist … keine Ahnung. Ich kannte es mit reichlich Butter und hab es, als ich hier Deine Schinkenmousse gefunden habe, sofort beides zusammen ausprobiert.

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    • Claudia Braunstein
      September 5, 2016 at 4:03 pm (7 Monaten ago)

      Hallo Monika, danke für den Tipp. Ich finde Schinkenmousse sollte es überhaupt wieder auf Speisekarten geben. Das findet man eigentlich gar nicht mehr. Herzliche Grüße aus Salzburg, Claudia

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