Nachgefragt bei Steffi von Kochtrotz und ein wunderbares Rezept

Heute darf ich ein sehr ausführliches Interview zum Thema NACHGEFRAGT präsentieren. Steffi von Kochtrotz war eine der ersten BloggerkollegInnen die mir virtuell begegnete. Vermutlich auch deshalb, weil wir beide jeweils in einer besonderen Nische zu Hause sind. Aber lest doch selbst.

Welche Ernährungsform hast du für dich gewählt und aus welchen Gründen?

Recht unfreiwillig lebte ich einige Jahre „sehr allergiearm“. Ich erlitt einen extrem starken Allergieschock, den ich gerade so überlebte. Nach einem längeren Klinikaufenthalt, bei dem man mich auf den Kopf stellte,  wurde ich schlussendlich ohne Diagnose entlassen. Lange Jahre musste ich sehr streng Diät halten. In der ersten Zeit durfte ich nur 12 Lebensmittel essen die für mich als ungefährlich galten. In den Folgejahren wurden nach und nach verschiedenen Diagnosen gestellt und ich lebte jahrelang histaminarm, glutenfrei, laktosefrei, fructosearm, sorbitfrei, teils kaseinfrei und so circa 50 Nahrungsmittel-Allergien waren auch zu berücksichtigen.

Seit wann lebst du mit deiner Ernährung und wie setzt du das in deinem Arbeitsalltag um?

Die ganze Sache ging 2010 los. Ich kann direkt vorausschicken, inzwischen führe ich wieder ein relativ normales Leben und meine „Baustellen“ konnte zum Großteil beseitigen und andere habe ich heute gut im Griff. In der deftigsten Phase musste ich echt kreativ werden, um den Arbeitsalltag bewerkstelligen zu können. Ich bin von Beginn an selbstbewusst mit meinen vielen Einschränkungen in der Ernährung umgegangen. Das hat mir und vor allem auch anderen geholfen. Wenn Du selbst erst einmal nicht verstehst, was mit Dir passiert ist, wie soll Dein Umfeld damit klarkommen? In der Anfangsphase habe ich mir Freiraum und Erholungsphasen verschafft. Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht so leistungsfähig und konzentriert wie gewohnt. Außerdem brauchte ich viel Zeit für Recherchen. In den ersten 1,5 Jahren habe ich nämlich erst einmal keinen Arzt gefunden, der mir helfen konnte. Zum Glück war ich schon damals beruflich selbstständig und konnte mir meine Zeit einteilen. Mein Mann und ich sind ein gutes Team. Wir unterstützen uns immer! So konnte ich die finanziellen Einbußen auch verkraften.

Wenn du auswärts isst, erkundigst du dich immer schon vorab?

Heute nicht mehr aber lange Zeit war das essentiell für mich. Ich habe mir immer vorab die Speisekarten in Web angeschaut und meistens auch im Restaurant angerufen. Waren es spontane Auswärtsessen, so bin ich regelmäßig in der Küche gelandet und habe mit den Köchen gesprochen. Die hatten oft Spaß mit mir, da ich nicht so verkrampft daher kam und selbst Ahnung von Lebensmitteln hatte.

Wenn du spontan essen gehst, findest du immer etwas auf Speisekarten?

Ja! Es gab nur ganz wenige Fälle wo es tatsächlich nichts für mich gab. Ich bin ja eine Frau der Tat, selbstbewusst genug und habe keine Probleme mit den Köchen oder dem Personal eine konstruktive Essenslösung zu finden. Irgendwas gibt es in jeder Restaurantküche für mich zu essen, man muss es nur entdecken. Das war immer meine Devise.

Wenn nicht, wie reagieren die Mitarbeiter in den Lokalen?

Das kann ich nicht pauschalisieren. Mal traurig und betroffen und auch teils desinteressiert.

Ist es dir schon passiert, dass du ein Lokal ohne zu essen verlassen hast?

Ja auch das ist schon vorgekommen. Ich esse nirgendwo, wo ich mich unsicher fühle. Da suche ich lieber eine andere Lokalität auf. Ich verbringe meine Zeit auch nirgendwo wo man sich unfreundlich benimmt und einen als „Sonderling oder Spinner“ abstempelt. Dazu gibt es zu viele gute Gastronomen bei denen ich dann gerne mein Geld lasse.

Wenn du privat eingeladen bist, gibt es da immer etwas Passendes für dich?

Jaaaaa, das ist gar kein Problem. Bis heute werde ich immer gefragt und man kümmert sich so toll um mich. Das betrifft wirklich meinen ganzen Freundschafts-, Bekannten und natürlich auch meinen Familienkreis. Ich bringe auch sehr gerne etwas mit. Niemand soll überfordert werden. Die gemeinsame Zeit steht im Vordergrund. Es gibt aber auch einen Wermutstropfen. Als meine „Allergiker-Karriere“ losging, hat sich damals schon gezeigt wer die wahren Freunde sind.

Da ist ja ganz schön viel passiert bei Dir in den letzten Jahren. Was denn so?

Allerdings! Meine eigene Gesundheit hat mich angetrieben, wo ich nur kann für Aufklärung zu sorgen. Ich habe so unglaublich viel gelernt in den letzten Jahren. All das was rund um meinen Blog und mich passiert ist hat mich dazu bewogen, mich noch weiterzubilden. Ich ließ mich sehr umfangreich zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin ausbilden und habe noch eine psychologische Weiterbildung drangehangen und bin heute Coach. Mir war wichtig, eine umfangreiche Wissensbasis zu schaffen.

Heute berate ich Unternehmen bei Produktentwicklungen, helfe der Gastronomie und Hotelerie ihre Gäste optimal zu betreuen, entwickle allergiefreundliche Rezepte für internationale Unternehmen, veranstalte Workshops und spezialisierte Kochkurse,  entwickle Allergiker-Konzepte, habe eine eigene Kolumne, koche öffentlich auf Veranstaltungen, werde für Catering-Aufträge gebucht und mache noch ganz viel mehr.

Meine 20jährige Erfahrung im internationalen Kommunikationsumfeld mit Schwerpunkt Gesundheit, digitale Medien, Design und Strategie kommt mir dabei zugute. Ich bin in der glücklichen Lage, alle meine Talente und Kompetenzen in Herzblut-Projekten zu vereinen.

Durch die vielen Tausend Kontakte zu meinen Leser*innen und meiner eigenen Situation entschied ich mich in 2014 ein Kochbuch zu schreiben. Es gab bislang kein Kochbuch für Mehrfach-Intoleranzen oder mehrere Einschränkungen am Markt, auch international nicht. Also, nahm ich mich dem Thema an und entwickelte einen Zutaten-Baukasten für Rezepte. Der Baukasten bietet für jede Zutat bis zu drei Alternativen an und alle können sie die Rezepte je nach individueller Verträglichkeit zusammenstellen. Bei den Zutaten sind alle häufig auftretenden Allergien und Intoleranzen berücksichtigt. Ebenfalls können alle Gerichte vegetarisch oder vegan gekocht werden. Das war keine kleine Herausforderung!

Für meine Kochbücher, inzwischen sind es zwei und ein drittes folgt, haben wir einen kleinen Verlag gegründet. Die Entscheidung fällten mein Mann und ich nachdem renommierte Verlage das Baukastenkonzept ablehnten. Ich war mich aber sehr sicher, dass genau so ein System von Betroffenen gebraucht wird. Inzwischen wurden zig Tausende Bücher verkauft und ich lag wohl richtig. J

Es ist schon ein wenig irre, was alles so in den letzten Jahren passiert ist – und – das nur weil ich vieles selbst in die Hand nahm. Aber das kennst Du ja selbst sehr gut, liebe Claudia.

Bohnen-Kichererbsen-Stampf mit Minze und Avocado

Kichererbsen – 1 Dose oder Bohnen
Avocado reif – 2 Stück
Minze – 6 Zweige
Zitrone – 1 davon Saft
Salz
Pfeffer
Olivenöl – 2 – 3 EL
Avocadofleisch auslösen und in grobe Stücke schneiden.
Minzeblätter abmachen und hacken.

Einfach alles miteinander mit dem Kartoffelstampfer so zerstampfen, dass noch ein paar Stück drin sind. Noch abschmecken und schon ist das Gericht fertig

Noch ein paar Infos zu den Büchern:

Erhältlich auf:

  • kochtrotz.de
  • Amazon
  • Und auf Bestellung im Buchhandel.

Band 1:

KochTrotz – Kreativ genießen trotz Einschränkungen, Intoleranzen und Allergien: Der Rezeptbaukasten für jeden Tag „with love“

ISBN-13: 978-3000488733

 

Band 2:

KochTrotz: Kreative, einfache, schnelle Familienküche trotz Einschränkungen, Intoleranzen und Allergien – Der Rezeptbaukasten mit Lieblingsrezepten für jeden Tag „FÜR ALLE“

ISBN-13: 978-3981772005

 

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