Ein Plädoyer für das Kauen und über die Unsinnigkeit sich ohne medizinische Gründe flüssig zu ernähren

Schöne Zähne

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Heute gibt es einmal kein Rezept, keine Restaurantempfehlung und auch keine persönliche Krankengeschichte, sondern ein paar Gedanken zu flüssiger Ernährung.
Es ist Fastenzeit und meine social media Kanäle gehen über mit unzähligen Fastenvorschlägen und Tipps. Besonders häufig lese ich nun, man soll sich in den kommenden Tagen und Wochen von Smoothies und Suppen ernähren. Detox und clean eating. Brei, Porridge und Overnight Oats. Ein Teil dieser Ernährungsformen findet sich aus leicht nachvollziehbaren Gründen auf meinem täglichen Speiseplan. Grüne Smoothies ermöglichen mir Obst und Gemüse in roher Form zu mir zu nehmen. Dicke Suppen sind ein Hauptnahrungsmittel, genauso wie breiige Gerichte. Darüber hinaus versuche ich ständig meinen Speiseplan durch andere Zubereitungsformen zu erweitern. Meine Kau- und Schluckeinschränkung erlaubt mir nicht mehr festere Nahrung zu mir zu nehmen. Deshalb bin ich natürlich froh auf solche Gerichte zurückgreifen zu können.
Warum aber viele Menschen gerade jetzt in der Fastenzeit und oftmals das ganze Jahr über flüssiges Obst und Gemüse und Brei in allen Varianten zu sich nehmen, kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Zähne sind zum Kauen da

Es macht durchaus Sinn, dass wir unsere Zähne zu dem verwenden, wofür sie vorgesehen sind, nämlich zum Kauen. Wer kaut, der regt den Speichelfluss an und produziert somit eine Speichelqualität, die Säuren besser neutralisieren kann. Der Verdauungsprozess beginnt schon in der Mundhöhle, wer nicht kaut, behindert diesen Prozess und somit auch eine wichtige Enzymbildung.
Kauen ist wichtig für die gleichmässige Belastung der Zähne und deren Erhalt. Und dieser wiederum spielt eine große Rolle für das Wohlbefinden unseres Hals- und Nackenbereiches. Wer nicht kaut, vernachlässigt nicht nur die Kaumuskulatur, sondern auch die umliegende Nackenmuskulatur. Der Verzicht auf Kauen verursacht auf längere Sicht eine Verkrampfung der Muskulatur im Kopfbereich. Ein regelmäßiger Kauvorgang ist auch wichtig für das Zahnfleisch, das wiederum den Kieferknochen hält.
Nicht besonders neu ist, dass langes und aufmerksames Kauen dazu führt, dass man automatisch weniger isst und somit auch leichter an Gewicht verliert, sofern das erwünscht ist.

Kauen gegen Verspannung

Kauen regt übrigens die Durchblutung im Kopf an und somit auch die Hirntätigkeit. Man könnte fast sagen, kauen macht schlau. Es gibt auch Hinweise, dass Kauen den Alterungsprozess verlangsamen kann, deshalb ist es auch so wichtig die eigenen Zähne zu erhalten.
Wenn man all diese positiven Aspekte und noch andere mehr kennt, dann sollte man überlegen, weshalb man als gesunder Mensch auf eine wichtige Körperfunktion, wie das Kauen freiwillig verzichtet. Wesentlich mehr zu empfehlen wäre es, Obst und Gemüse im festen Zustand zu sich zu nehmen, roh oder schonend gegart, wenn man eine gute Kaufunktion aufweisen kann.
Der Konsum von reinen Obst-Smoothies sollte auch sehr eingeschränkt erfolgen, da sie einen hohen Zuckergehalt aufweisen. Wenn schon, dann sollte ein großer Teil aus grünen Anteilen bestehen. Trotzdem meine ich, wer funktionstüchtige Zähne hat, der sollte sie auch einsetzen. Auch in der Fastenzeit.

8 Comments on Ein Plädoyer für das Kauen und über die Unsinnigkeit sich ohne medizinische Gründe flüssig zu ernähren

  1. zorra
    Februar 11, 2016 at 2:58 pm (1 Jahr ago)

    Sehe ich auch so, solange man kauen kann soll man das auch vorwiegend machen. Säfte sehe ich als Genussmittel, die man dosiert geniessen sollte.

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    • Claudia Braunstein
      Februar 11, 2016 at 5:17 pm (1 Jahr ago)

      Liebe Zorra, ja, da bin ich bei dir, Säfte und Smoothies sind Genussmittel für Menschen, die diese Nahrungsform nicht benötigen. Liebe Grüße in den Süden, Claudia

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  2. Gabi
    Februar 11, 2016 at 4:59 pm (1 Jahr ago)

    Musste mal gesagt werden, danke 🙂 Und du hast das noch viel zu nett gesagt – ich kann mich über diese Trend-Hinterher-Rennerei echt aufregen…

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    • Claudia Braunstein
      Februar 11, 2016 at 5:15 pm (1 Jahr ago)

      Liebe Gabi, nett ist mein dritter Vorname 😉 Scherz beiseite, das lag mir heute beim dritten Post, das mir zum Thema unterkam echt im Magen. Ich gestehe, dass ich natürlich auch ein wenig sensibel bin, was das anbelangt. Ich weiß ja was es heißt, sich das ganze ahr so zu ernähren und frag mich, warum man das freiwillig macht, noch dazu, wo der gesundheitliche Aspekt für gesunde Menschen nicht wirklich gegeben ist. Liebe Grüße, Claudia

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  3. Arthurs Tochter
    Februar 11, 2016 at 5:01 pm (1 Jahr ago)

    Ich bin überzeugt, es wird nur deswegen so viel Unsinn zum und über das Fasten geschrieben, weil immer wieder Diät und bewusst gewählte Enthaltsamkeit über einen bestimmten Zeitpunt in einen Topf geschmissen werden. Das kann nur zu Missverständnissen führen. Detoxen (schreckliches Wort) ist kein Fasten. Suppen essen ist kein Fasten. Diätdrinks zur Gewichtsreduktion zu sich nehmen – kein Fasten! Nicht essen, viel trinken, den Geist reinigen, den Alltag loslassen – das ist Fasten. Jedenfalls für mich. Die anderen 50 Wochen im Jahr kaue ich sehr gerne 🙂

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    • Claudia Braunstein
      Februar 11, 2016 at 5:12 pm (1 Jahr ago)

      Liebe Astrid, ich bin da vollkommen bei dir. Denn sogar ich gehe einmal jährlich zum Heilfasten. Das macht meinen Kopf so richtig frei. Aber das kann man in keiner Weise mit einem Teil dieser eigenartigen Trends vergleichen. Smoothies sind in meinen Augen ein Marketinggag. Für Menschen in meiner Situation ein wichtiger Bestandteil auf dem Ernährungsplan, aber für Menschen ohne derartige Einschränkungen nicht notwendig. Was tät‘ ich manchmal darum geben um in einen saftigen Apfel zu beißen! Auf der einen Seite gibt es für Dysphagie-Patienten nicht wirklich hübsche Angebote, auf der anderen Seite werden unsinnigerweise Säfte und Breie in allen Formen als Trend für Menschen , die es nicht benötigen, propagiert. Liebe Grüße, Claudia

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  4. creezy
    Februar 11, 2016 at 7:34 pm (1 Jahr ago)

    Großartiger Text!

    (Davon abgesehen, dass Nahrung durch den Speichel und das Kauen aufgespalten wird, z. B. Kohlenhydrate so getrennt werden (Amylase) und der Körper nur so in der Lage ist, sich mit der notwendigen Energie (Zucker) zu versorgen. Das Kauen ist für den Verdauungsprozess im Magen und Darm irrsinnig wichtig. Diese können Nahrung nicht verwerten, wenn die nicht vom Speichel zersetzt wurde.)

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    • Claudia Braunstein
      Februar 11, 2016 at 7:52 pm (1 Jahr ago)

      Ganz herzlichen Dank für die großartige Ergänzung.

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