Dysphagie, was ist das eigentlich?

Fotocredit Gettyimages Zunge
Immer wieder wird mir die Frage gestellt, was der Begriff Dysphagie eigentlich bedeutet. Ich muss gestehen, dass mir der Ausdruck bis zu meiner Erkrankung auch nicht wirklich geläufig war und im allgemeinen Sprachgebrauch auch kaum verwendet wird. Dysphagie ist der Fachausdruck für Schluckstörungen.

Behinderungen nach Zungenkrebserkrankung

Diese Störungen sind ein Teil meiner Behinderungen, die mir nach den Operationen und der Strahlen/Chemotherapie geblieben sind. Am Anfang so massiv, dass ich über Monate mit einer Magensonde in der Bauchdecke ernährt werden musste. Das ist bei vielen Mundkrebspatienten der Fall, weil besonders die Strahlentherapie eine halbwegs normale orale Nahrungsaufnahme fast unmöglich macht. In den meisten Fällen kann die PEG-Sonde nach den langen Bestrahlungswochen, sobald die Entzündungen in der Mundschleimhaut abgeklungen sind, wieder entfernt werden und die Patienten lernen durch Logopädie neue Schlucktechniken. Oftmals bleiben aber trotzdem Einschränkungen zurück, abhängig von der Art des operativen Eingriffes und auch von der Stelle, an der der Tumor sass. So fehlt mir trotz einer Abdeckung aus dem Unterarm eine Teil der Zunge, was den Abtransport der Speisen sehr erschwert.

Wie fühlt sich Dysphagie an? Ein Selbstversuch

Man kann sich als Nicht-Betroffener kaum vorstellen, was das bedeutet. Es gibt eine einfache Methode, um diese Einschränkungen ein wenig nachvollziehen zu können. Man legt seine Zunge fest auf den Mundboden und versucht nur den Speichel zu schlucken. Schnell wird man merken, wie schwierig das ist. So in etwa kann man sich den Alltag eines Patienten mit Kau- und/ oder Schluckstörungen ein wenig nachvollziehen. Da wird essen wirklich manchmal zum Hindernislauf.

Nicht nur Tumorpatienten leiden an Dysphagie

Dysphagie betrifft nicht nur Tumorpatienten, sondern weit aus mehr Menschen. Parkinson, Schlaganfall, Demenz und Alzheimer können oft von derartigen Problemen begleitet werden. Auch Gebißträger und hochbetagte Menschen können von Schluckstörungen ein Lied singen. Wer über längeren Zeitraum Halsschmerzen hat, der weiß wie aufwändig dann der Schluckvorgang wird. Auch nach Kiefer- oder Zahnbehandlungen kann es sein, dass man einige Tage nicht nur nicht kauen kann, sondern auch der Schluckakt beeinträchtigt ist.
Ist die Zungenbeweglichkeit eingeschränkt, dann muss man nicht nur auf feste Konsistenzen verzichten, sondern oft auch auf stärkehaltige Speisen, weil diese gerne am Gaumen kleben bleiben und nicht abtransportiert werden können. Darum esse ich beinahe kohlehydratfrei.

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