Flugreisen mit Dysphagie; Kindermenü als Alternative

Faschierte Laibchen
Sehr häufig werde ich von Betroffenen oder deren Angehörigen gefragt, wie es mir mit meiner Esseinschränkung möglich ist, so viel zu reisen. Das ist tatsächlich ein sehr großes Thema. Aus unzähligen Gesprächen weiß ich, dass viele Dyspaghiepatienten wegen ihrer Einschränkung auf Reisen verzichten, weil sie mit unter befürchten in fremden Ländern keine passenden Speisen zu finden. Das ist auch manchmal eine Herausforderung, vor allem wenn man den europäischen Kulturkreis verlässt. In Asien ist die Küche oft sehr von Reis und Nudeln dominiert, was für mich leider NoGos sind. Auf frittierte Speisen muss ich auch verzichten. Das Zielreiseland ist jedoch oft weniger problematisch, wie die Anreise. In den Zug oder auf Autofahrten kann man bequem selbst hergestellte Nahrung mitnehmen. Auf Zugsfahrten kommen gerne Joghurt oder Smoothies ins Handgepäck.

Flugreisen gut planen

Mit echten Hindernissen sind aber tatsächlich Flugreisen gepflastert. Dabei ist mir wirklich ins Auge gestochen, dass Flughäfen leider selten eine Auswahl an geeigneten Speisen anbieten. So manchen Zwischenaufenthalt habe ich mit Mousse au Chocolat überbrückt, weil absolut nichts zu finden war.
Auf Kurzstrecken, die nicht länger als zwei Stunden dauern, kann ich auch gerne auf Nahrungsaufnahme verzichten. Es ist eher der psychologische Druck der entsteht, wenn alle ihre zweifelhaften Snacks verspeisen, während man selber wieder einmal nichts zu essen erhält.
Ich bin seit meiner Erkrankung auch schon Langstrecken geflogen. Hier empfiehlt es sich wirklich gut zu planen und im Vorfeld die gewünschte Airline zu prüfen, ob die Nahrungsausnahme während eines sehr langen Fluges gewährleistet ist.

Dyspgahiekost an Bord von EVA Air

Inzwischen gibt es doch einige Fluglinien, die sogar Dysphagiekost anbieten. Oft sogar zwei verschiedene Varianten. Dünnflüssig und dickbreig. Dazu zählt auch EVA Air, die unter anderem die Strecke Wien-Bangkok bedient, was für meine Anreise nach Thailand besonders ideal war.

Alternative Kindermenü

Da meine Reise so kurzfristig angesetzt war, wurde mein Menüwunsch irgendwo zwischen Agentur, Tourismusverband und Airline vergessen. Doch dieses Problem löste sich am Schalter in Wien in Windeseile vorbildlich. Für ein Diatmenü war es zu spät, aber man hat mir ganz kurzfristig ein Kindermenü organisiert. Es gab am Hinflug so wunderbare Faschierte Krapferl mit Kartoffelpüree, die ich selber nicht viel besser kochen hätte können. Zu einem Kindermenü werden auch Pudding und Joghurt serviert, das ist meist Standard und gewährleistet ein hungerfreies Reisen. Dies veranlasste mich auch für den Rückflug, statt des Breimenüs, auf ein Kindermenü auszuweichen.
Generell ist man natürlich noch sicherer, wenn man tatsächlich auf das Diätmenü zurückgreift. Aber Kindermenü Als Alternative kann ich durchaus empfehlen, wenn sich vorher abklären lässt, was serviert wird.

Ärztliches Attest

Ich habe dieses Mal auch ein Experiment gewagt, indem ich mir eine Attest meines Hausarztes holte, das meine Ernährungsprobleme darlegte, samt der Ursprungsdiagnose. Das wollen viele Patienten nicht, aber ich gehe ja sehr öffentlich mit meiner ehemaligen Erkrankung und den daraus resultierenden Behinderungen um. Als zweiten Schritt habe ich mir aus der Apotheke hochkalorische Flüssignahrung geholt, die zu 200 ml abgepackt ist. Mehr als 100 ml darf man im Normalfall nicht mit an Bord nehmen. Bei den vier Flügen, die ich absolvierte wollte niemand das Attest sehen, es reichte, dass ich die beiden Fläschchen, die ich im Handgepäck hatte, vorzeigte und auf meine Ernährung hinwies.
Fluglinie aus Taiwan EVA Air

Elite Classe von EVA Air

Jetzt muss ich noch von ganzem Herzen EVA Air loben. Nicht nur, dass der Menüwunsch so unkompliziert erledigt wurde, die Fluglinie ist generell sehr zu empfehlen. Ich durfte freundlicherweise in der Elite Class fliegen, die nach meinen Bergriffen einer Businessclass entspricht. Viel Platzangebot, das sogar bequemes Schlafen erlaubt. Entertainment vom Feinsten, ich sah sogar einen Film auf Deutsch, der bei uns noch gar nicht im Kino anlief.
Und wie erwähnt, ein wirklich sehr gutes Essen, auch wenn es sich um ein Kindermenü handelte, dass bei vielen anderen Linien eher stiefmütterlich serviert wird.

Und weil die Faschierten Krapferl am Hinflug so gut schmeckten, lass ich auch gleich ein Rezept hier.

Faschierte Krapferl

500 g gemischtes Faschiertes
1 Ei
100 ml Naturjogurt
1 halbe kleine Zwiebel
1 halbe Hand frische Kräuter
1 Esslöffel französischer Senf
1 Teelöffel Sardellenpaste
1 Teelöffel edelsüßes Paprikapulver
Salz
Pfeffer
Semmelbrösel
Butterschmalz
Zwiebel sehr fein würfeln und in Butter glasig dünsten, mit Jogurt, gehackten Kräutern, Senf, Sardellenpaste und Paprikapulver vermischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und das Faschierte untermengen.
Kleine Laibchen formen und diese in Bröseln wälzen. In reichlich Butterschmalz  langsam bei mittlerer Temperatur heraus braten und mit Kartoffelpüree servieren.

Meine Reise nach Thailand fand in freundlicher Zusammenarbeit mit Green Pearls und dem Thailändischen Fremdenverkehrsamt statt. Der Inhalt des Artikels entspricht meiner persönlichen Meinung.

3 Comments on Flugreisen mit Dysphagie; Kindermenü als Alternative

  1. EssayHilfe
    August 14, 2017 at 12:22 pm (3 Tagen ago)

    Liebe Claudia,
    danke für einen Bericht und für schönes Rezept! Eigentlich finde ich es ganz schlimm, dass es in den Flugzeugen nur selten etwas wählen kann. Es ist ein Grund, warum ich Zugreise bevorzuge. Lifehack mit Kindermenü habe ich für mich schon seit langem entdeckt.
    Übrigens, warum fügt man Sardellenpaste in Krapferl? Und noch was: wäre es vielleicht besser, dieser Gericht im Ofen backen.
    Liebe Grüße,
    Karin

    Antworten
    • Claudia Braunstein
      August 14, 2017 at 12:45 pm (3 Tagen ago)

      Hallo Karin, die Sardellenpaste war ein Spezialtipp meiner seligen Omi, darum MUSS die in die faschierten Krapferl hinein. Den Versuch mit dem Oden habe ich auch schon gemacht. Meine Erfahrung ist eigentlich, dass sie in der Pfanne, bei nicht zu hoher Temperatur zu braten. Da sollte ich vielleicht noch anmerken, sehe ich gerade. Ja, Kindermenü kann auch daneben gehen. Am Heimflug gab es Spaghetti mit sehr viel Sugo. Der hat mich gerettet, weil Nuelen gehen ja leider nicht. Aber Joghurt und Pudding, die meist am Tabletten stehen, die sind ein Garant für Sättigung. Liebe Grüße, Claudia

      Antworten
    • Claudia Braunstein
      August 14, 2017 at 12:47 pm (3 Tagen ago)

      Hallo Karin, die Sardellenpaste ist ein Tipp meiner seligen Omi. Backrohr habe ich schon probiert. am weichsten werden sie trotzdem in der Pfanne mit viel Butterschamlz. Und langsam braten. Das werde ich noch hinzufügen. Liebe Grüße, Claudia

      Antworten

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